Dianmai (Dim Mak) und Fajing

Dianmai

In den Kampfkünsten ermöglichen es Kenntnisse der Medizin und des Qi-Flusses, gezielt Akupunkturpunkte des Gegners anzugreifen, was sein Qi massiv stört und dadurch die Wirkung einer Technik beträchtlich erhöht. Diese Dianmai (Dim Mak) genannten Fähigkeiten erfordern jahrzehntelanges Training und zählen noch immer zu den höchsten Stufen des Qigong in der Kampfkunst: Im Bruchteil einer Sekunde muss nicht nur an einem sich bewegenden Gegner ein Akupunkturpunkt lokalisiert werden, der Angreifer muss darüber hinaus wissen, mit welcher Stärke, mit welcher Schwingung, unter welchem Winkel und mit welchem Brennpunkt der Schlag zu führen ist. Wegen der von der Tageszeit abhängigen Qi-Verteilung in den Leitbahnen kann ein- und dieselbe Technik den Gegner außerdem einmal nur ins Land der Träume schicken, ein anderes Mal vielleicht sogar töten. Aus diesem Grunde wurden derartige Kenntnisse geheim gehalten und sind auch in der offiziellen Überlieferungslinie des Yangstil-Taiji inzwischen leider großteils verloren gegangen.

Gutes Dianmai benötigt Fajing, die Explosivkraft. Diese Kraft ist nicht über muskuläre Anspannung zu erzeugen, sondern ist eine Kraft der Faszien, Sehnen und Bänder. Es ist schwierig dies zu erlernen, weil wir gewohnt sind, durch eine Erhöhung von Anspannung Bewegung zu erzeugen. Fajing entsteht jedoch durch Nachlassen! Dabei kann longitudinal oder auch rotativ gearbeitet werden.

Das Erlernen von Dianmai in unserem Training dient selbstverständlich ausschließlich der Verbesserung der eigenen Kenntnisse über die vielfältigen Ausprägungen des Qi in unserem Organismus. Glücklicherweise haben wir es in Österreich nicht notwendig, uns auf lebensgefährliche oder tödliche Duelle vorzubereiten! Um allfälligen missbräuchlichen Anwendungen einen Riegel vorzuschieben, gebe ich dieses Wissen auch nur an Fortgeschrittene weiter, deren charakterlicher Reife ich mir sicher bin.

Ich unterrichte Dianmai im Zusammenhang mit der traditionellen 108er-Form des Taiji Quan, Yang-Stil, wie ich es von meinen Lehrern in China vermittelt bekam. Es leben nur noch wenige Meister, die diese Geheimkenntnisse besitzen.