Taiji Quan

Traditioneller Yang-Stil

Taiji Quan hat seinen Ursprung in China und zählt zu den sogenannten „inneren“ Kampfkünsten. Während die „äußeren“ Kampfkünste (Kung-Fu, Karate, Tae Kwon Do usw.) Muskelkraft, Koordination und Technik schulen, versucht man im Taiji zusätzlich, durch beständiges Üben innere Kraft (Jing) zu entwickeln. Dies ist ein schwieriges Vorhaben, das nur durch zähes Üben unter Anleitung eines qualifizierten Lehrers zu verwirklichen ist.

Peitsche
Shifu Oswald Elleberger

Die charakteristischen Merkmale des Taiji im Yang-Stil sind natürliche und weite Positionen, sowie gleichmäßige und stetig fließende Bewegungen. Eine korrekte Durchführung vorausgesetzt, bewirkt das langsame Trainingstempo eine ausgezeichnete Verbesserung von Gleichgewicht, Koordination, Körperbewusstsein, Energiefluss und Konzentration.

Taiji besitzt durch diese langsame Ausführung auch eine starke meditative Komponente - nicht umsonst spricht man von „Meditation in Bewegung“. Dabei spielen dieselben Vorstellungen von Energie und Leitbahnen eine wesentliche Rolle, wie man sie in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und im Qigong findet. Der Aspekt der Kampfkunst wird in einem qualifizierten Unterricht jedoch immer im Vordergrund stehen.

Als Begründer des Taiji Quan bezeichnet man üblicherweise den Einsiedler Zhang Sanfeng, der während der Song-Dynastie (960 bis 1279) in den Wudang-Bergen Zentralchinas lebte. Eines Tages soll er den Kampf eines Kranichs mit einer Schlange beobachtet haben. Bei beiden Tieren entdeckte er elegante Ausweichbewegungen, die übergangslos für gefährliche Angriffe genutzt wurden. In den folgenden Jahren versuchte er, die gewonnenen Erkenntnisse in seinen Kampfstil zu integrieren.

Durch intensives Studium der Lehren von Yin und Yang und den Fünf Wandlungsphasen in Verbindung mit tiefer Meditation erlangte Meister Zhang ungewöhnliche Geisteskräfte. Diese setzte er kompromisslos in der Verwirklichung seiner Kampftechniken ein, sodass er ein bisher noch nie gesehenes Niveau erreichte. Man darf ihn als den Begründer einer der tödlichsten Kampfkünste aller Zeiten bezeichnen. Meister Zhangs Nachfolger nannten seinen Stil Wudang Quan, also Wudang-Boxen. Erst im 19. Jh. bürgerte sich der Begriff Taiji Quan ein.

In seiner authentischen Form basiert traditionelles Yang-Stil-Taiji auf einem einzigartigen Konzept über den Fluss der Lebensenergie. In ihm vereinigen sich philosophische, medizinische und biomechanische Erkenntnisse, die über Jahrhunderte gewonnenen wurden. Folgende drei Ziele stehen dabei im Vordergrund: Die optimale Anwendbarkeit in Kampfsituationen, die Stärkung der eigenen Gesundheit und die Einsatzmöglichkeit in der Therapie von Krankheiten.

Kampfkünste dürfen übrigens nicht mit Kampfsport verwechselt werden. Im Kampfsport geht es in erster Linie um das Gewinnen von Wettkämpfen, Kampfkünste jedoch definieren sich als ein lebenslanger harter Schulungsweg, der Körper, Energie und Geist gleichermaßen umfasst. Für die inneren Kampfkünste gilt hier, dass eine starke innere Kraft erst nach jahrzehntelangem Üben mit höchster Intensität entwickelt werden kann.

Im Westen haben sich leider viele stark von der Ursprungsidee abweichende Varianten des Taiji Quan etablieren können. Von „Entspannungsübung“ bis „Sanfte Gymnastik“, von „Awareness-Training“ bis „Einschlafen im Stehen“ reicht das Spektrum, das sich überwiegend an den Erwartungshaltungen eines Eso-Publikums orientiert. Damit wir uns richtig verstehen: Jeder soll es so machen, wie er glaubt. Mit traditionellem Taiji Quan als Kampfkunst hat das allerdings nichts zu tun!

Taiji Quan Waffen

Shifu Oswald Elleberger
Shifu Oswald Elleberger

Der Einstieg in das Taiji Quan erfolgt meist über eine waffenlose Soloform. Schon bald wird das physische und psychische Wohlbefinden gestärkt, die Energie angehoben und die Konzentration verbessert. Mit steigendem Können wird oftmals der Wunsch nach weiteren Herausforderungen wach. Eine neue, tiefere Dimension erschließt sich uns durch das Kennenlernen der traditionellen Waffen des Taiji. Die bekanntesten sind Schwert, Säbel, Stock und Speer. Unter ihnen hat das Schwert in China besondere Beliebtheit erlangt.

Ergänzend zu den positiven Wirkungen der Soloform verstärkt das Üben der Waffenforms vor allem die Konzentration, schärft den Fokus und bringt Genauigkeit, Weite sowie Leichtigkeit in alle Bewegungen. Die Waffen erlauben es außerdem, das eigene Energiefeld beträchtlich auszudehnen. Es ist eine faszinierende und herausfordernde Aufgabe, sich selbst und die Waffe als Einheit zu erleben und damit der „unbeseelten“ Waffe durch geschickten Gebrauch Leben einzuhauchen.

Für das Erlernen von Waffenforms werden Taiji-Grundkenntnisse vorausgesetzt.

Taiji Quan Qigong

Taiji Quan Qigong
Shifu Oswald Elleberger und Mag. Christian Waltenberger

Im Taiji Quan befasst man sich immer mit Qi und so gesehen wäre jede Taiji-Betätigung als Qigong, als „intensive Arbeit mit Qi“ zu bezeichnen. Es hat sich aber eingebürgert, alle Trainingsformen, die eher in Richtung Kampf weisen, wie etwa Tuishou, Sanshou, Soloform oder Waffenforms nicht als Qigong zu benennen.

Unter Taiji Qigong versteht man heute eher Übungsformen, in welchen ein spezielles Thema im Vordergrund steht. So sind Taiji-Atemübungen, Taiji Ball, Chansijing, Spiral-Übungen sowie die Praxis der Laute Heng und Ha typisches Taiji Qigong.

Durch die bewusste Beschränkung auf ein Thema gelingt es, komplexe Abläufe besser zu erfassen und eine Überforderung hintanzuhalten. So kann man sich ohne Ablenkung besser auf die Atmung, die Bewegung der Wirbelsäule, das Lenken des Qi oder ähnliches konzentrieren. Über die Jahre mag es dann gelingen den Körper, die Energie und den Geist zu einer untrennbaren Einheit verschmelzen zu lassen. Die neuen Erfahrungen und Fähigkeiten können dann in die komplexeren Abläufe des traditionellen Taiji Quan eingebunden werden.

Taiji Quan Qigong